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  • April 2022

Oberstufenprojekt im Fach Geschichte



Brüche und Umbrüche – Jugend in der DDR, Zeitzeugenbegegnung mit Nadja Klier und Ingo Hasselbach


„Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir geboren wurden.“
 Hannah Arendt , Vita Activa. (1958)

Nadja Klier und Ingo Hasselbach besuchen unsere Schule als Zeitzeugen, die sich an ihre Jugend in der DDR erinnern. Nadja ist 15 als sie zusammen mit ihren inhaftierten Eltern Hals über Kopf 1988 aus der DDR ausgebürgert wird. In derselben Zeit entwickelt sich der spätere Aussteiger Ingo Hasselbach zum Rechtsextremisten. Jahre vorher waren beide – auf unterschiedliche Art und Weise- bereits unter die Räder der Staatsmacht geraten und hatten dies mit wachsender Härte zu spüren gekriegt.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt in ihrer politischen Bildungsarbeit die Zeitzeugenbesuche in unserer Schulen.

Nadja Klier, Autorin, Fotografin und Filmproduzentin liest aus ihrem Buch für uns. Hier wird der Alltag einer 13jährigen sichtbar. Nadja wächst  in der Hauptstadt der DDR auf. Mitgebracht hat sie zahlreiche persönliche Dokumente aus dieser Zeit: Schulzeugnisse, ein Personalausweis, Briefkorrespondenz mit der Freundin, Gedichte, „Stadtplan der Hauptstadt der DDR“, Kopien aus den Stasi-Unterlagen, die Ausbürgerungsurkunde usw. Eigene Filmproduktionen zeigt sie in ihrem Workshop.

Was viele heute immer noch nicht wissen: In der DDR war Rechtsextremismus nicht unbekannt, allerdings ein großes politisches Tabu, da sie der gesellschaftlichen Ideologie widersprach.

Ingo Hasselbach, Autor und Szenenbildner im Bereich Film führt in die historischen Hintergründe zur DDR und den Nachwendejahren ein. In den frühen 90ern galt er als ‚Führer von Berlin‘, dem aktiven Zentrum des Rechtsextremismus‘.

Auch er stellt persönliche Fotos und Auszüge aus Dokumentarfilmen zu dieser Zeit vor: Wir begegnen einem harten jungen Mann, der von der braunen Revolution spricht, sich Kamera und Journalisten taktisch versiert gibt, sich mit rechtsextremistischer Symbolik im Bild präsentiert.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wird deutlich, wie Vergangenheit im Leben eines Menschen Einfluss nehmen kann: Die Fragenden scheuen kein Tabu, es wird sehr persönlich. An Projekttagen wie diesen wird „Geschichte“ etwas Reales, sie löst sich aus den Büchern.

Jutta Dehé

Samstag, 7.5. – Anmeldungen für Streicher-/ Bläserklasse